Der Verein Kräuterland Alb e.V. setzt sich für den Erhalt und die Wertschätzung der einzigartigen Natur- und Kulturlandschaft der Schwäbischen Alb ein. Dazu gehört auch das Wissen über heimische Wildkräuter, ihre Verwendung in der Küche sowie ihre traditionelle Bedeutung als Heilpflanzen.
Hinweis:
In unserer Kräuterinfo stellen Mitglieder des Vereins regelmäßig ausgewählte Kräuter vor. Erfahren Sie Wissenswertes über ihre Geschichte, Inhaltsstoffe, Heilwirkungen und kulinarischen Einsatzmöglichkeiten. Die Sammlung wird laufend erweitert und lädt dazu ein, die Kräuterschätze der Schwäbischen Alb neu zu entdecken.
Die Kräuterbeiträge sind sorgfältig erarbeitet worden. Dennoch erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Weder die Autoren noch der Verein können eine Haftung übernehmen. Möchten Sie die Kräuter zu Heilzwecken verwenden, sprechen Sie dies mit Ihrem Arzt oder Ärztin ab.
Verwenden Sie nur Pflanzen, die sie eindeutig erkennen. Sammeln Sie nicht an Straßen und nur an Plätzen von denen Sie wissen, dass sie unbelastet sind.
Übersicht
Löwenzahn
Gelbe Kraft aus dem Asphaltriss.
Gundermann
Der „Guck-durch-den-Zaun“.
Johanniskraut
Die goldene Heilpflanze.
Löwenzahn

Gelbe Kraft aus dem Asphaltriss – der Löwenzahn als Heilkraut
Wer kennt ihn nicht? Den Löwenzahn, der sich mit unbeirrbarer Kraft durch kleinste Ritzen im Asphalt bohrt. Was viele als „Unkraut“ abtun, ist für den Verein „Kräuterland Schwäbische Alb“ ein pharmazeutischer Schatz. Die Reise dieser Heilpflanze beginnt jedoch weit vor unserer Zeit.
Schon im 11. Jahrhundert erkannten arabische Ärzte wie Avicenna die heilende Wirkung bei Leberleiden. Hildegard von Bingen im 12. Jahrhundert sah in der Pflanze ein wichtiges Mittel zur Reinigung des Körpers. Sie empfahl Löwenzahn zur „Säuberung des Magens“.
Für Paracelsus war die Signaturenlehre entscheidend: Die leuchtend gelbe Blüte deutete für ihn auf die Behandlung von Galle und Leber hin. Er sah aber auch in der unbändigen Kraft und Wehrhaftigkeit der Pflanze ein Spiegelbild für die Abwehrkräfte des Menschen. Paracelsus erkannte ebenso die harntreibende Wirkung und nutzte sie zur Entwässerung bei Ödemen.
In der modernen pharmazeutischen Biologie schätzen wir den Löwenzahn als „Amara-Tonikum“. Verwendet wird die Wurzel mit dem Kraut. Die Bitterstoffe der Pflanze (Sesquiterpenlactone) binden an spezifischen Rezeptoren auf Zunge und im Magen. Dies triggert die Ausschüttung von Gastrin und Cholecystokinin. Die Folge ist eine allgemeine Verbesserung der Verdauungsvorgänge, insbesondere aber auch der gesamten Fettverdauung durch einen gesteigerten Gallenfluss. Inulin, das besonders in der Wurzel vorhanden ist, dient zusätzlich als Präbiotikum für eine gesunde Darmflora. Interessant ist, dass die Wasser ausschwemmende Wirkung durch einen hohen Gehalt an Kalium entsteht und begleitet wird. Ist also eine streng kaliumarme Ernährung verordnet, sollte auf Löwenzahn verzichtet werden. Ebenso bei bekannten Allergien gegen Korbblütler und Verschluss der Gallenwege ist Vorsicht geboten.
Der Löwenzahn auf unserer Alb ist nicht nur ein lebendiges Fossil der Heilkunst, das aus dem Boden bricht. Man braucht sich nur zu Bücken und bekommt mit den jungen Blättern ein gesundes, regionales Superfood für Salate und leckeres Pesto.
Hans-Peter Eppler (Autor)
Löwenzahnpesto mit Walnüssen
Zutaten für 4 Portionen
- 100 g Walnusskerne
- 1 Bund Löwenzahnblätter (jung, frisch gepflückt)
- 3 Stk Knoblauchzehen
- 1 Prise Salz
- 1 Spritzer Zitronensaft
- 1 Prise Chiliflocken
- 160 ml Olivenöl (oder Sonnenblumenöl)
- 2 EL Pinien-oder Sonnenblumenkerne
- 25 g Parmesan gerieben
Zubereitung
- Walnusskerne zusammen mit den Pinien- oder Sonnenblumenkernen in einer Pfanne langsam ohne Fett anrösten.
- Fein hacken (am besten im Mixer)
- Die Knoblauchzehen hacken.
- In Streifen geschnittene Löwenzahnblätter zusammen mit den Nüssen und Kernen, dem Öl, dem Knoblauch, Salz und dem geriebenen Parmesan in einen Mixer geben und fein pürieren. Zitronensaft und Chiliflocken dazugeben.
- In ein Glas füllen, mit einer Schicht Öl abdecken. Verschlossen im Kühlschrank lagern.
Gundermann

„Guck-durch-den-Zaun“ – der Gundermann
„Der April macht, was er will!“ Zu diesem Sprichwort passt unsere für April ausgewählte Wildkräuterpflanze prima.
Wegen ihrem enormen Wachstumsdrang wird sie auch gerne „Guck´- durch – den – Zaun“ genannt.
Und wirklich, der Gundermann ( Glechoma hederacea ), auch die Gundelrebe genannt, kennt kein Aufhalten! Mit oberirdisch kriechenden Ausläufern, die bis zu 1m lang sein können, vermehrt er sich flächig auf der Wiese oder rankt an Mauern u.ä. in die Höhe. Seine unterirdisch aktiven Ausläufer lassen ihn große Flächen besiedeln.
Wer sich jetzt im Frühling wieder auf´s Entdecken und Sammeln frühblühender Kräuter freut, der kann in Wald und Wiese, an Bachläufen oder um Haus und Hof auf die immergrüne, mehrjährige und essbare Wildpflanze stoßen.
Zu erkennen ist sie an den rundlich herzförmigen und am Rand wellenförmig eingekerbten Blättern. Sie sind von starken Blattadern durchzogen und die Bereiche zwischen den Adern sind auffällig in die Höhe gewölbt. Wenn die Gundelrebe an einem sonnigen Platz wächst, speichert sie besonders viel ätherische Öle, die dann beim Zerreiben der Blätter kräftig aromatisch und etwas nach Minze riechen – perfekt, um Speisen aufzupeppen.
Schon kleine Mengen genügen von diesem Lippenblütler, bei dem wir Kraut und Blüte verwenden können. Die hell-violetten Blüten schmecken zart süßlich und sind eine hübsche Dekoration auf Salaten oder Aufstrichen. Bei „Süß“ denkt die Gundelrebe aber gewiss nicht an uns, sondern an ihre Fortpflanzung. Raffiniert weit hinten in der Blütenkelchröhre lagert sie den Nektar und lockt mit ihren auffällig dunkel-violett leuchtenden Tupfern auf der Blüte – Saftmale genannt – ihre Besucher. Schmetterlinge, Schwebfliegen, Hummeln und Bienen streifen, bis sie endlich zum Nektar gelangen, Pollen ab, mit dem sie dann die nächste Blüte unmerklich bestäuben. Clevere Hummeln und Bienen suchen den direkten Weg: sie beißen seitlich ein Loch in die Kelchröhre und stibitzen Nektar, ohne die Blüte zu bestäuben.
Uns kann es freuen, dass die Gundelrebe so kräftig vor sich hin blüht und wächst, denn sie wurde schon früher von den Menschen geschätzt als „Grüne Kraft“ in Speisen. Sie bereichert im Frühling die “Neun-Kräuter-Suppe“ die traditionell am Gründonnerstag serviert wird – Lust, sie auszuprobieren?!! Diese Suppe kann man das ganze Frühjahr über genießen, denn etwas später stehen dann andere Kräuter zur Auswahl. Auch lecker schmecken junge Blättchen auf Butterbrot, in Quark, zu Salaten oder in Dressings. Eine sommerliche Erfrischung bereitet eine Gundermann-Limonade auf Apfelsaftbasis. Für Schleckermäuler gibt es selbstgemachtes „Wiesen-After-Eight“ (siehe Kasten).
Die Gundelrebe ist reich an Vitalstoffen. Sie unterstützt uns u.a. mit Vitamin C, mit Bitter- und Gerbstoffen, Mineralien (besonders viel Kalium) und ihren ätherischen Ölen.
Eine herausragende Eigenschaft als Heilpflanze ist ihre antibiotische Wirkung, die bereits im Namen steckt, denn auf althochdeutsch bedeutet „Gund“ Eiter und der Gundermann soll besonders bei Eiterzähnen, Zahnfisteln, Furunkeln und Abszessen eiterausleitend helfen.
Auch Hildegard von Bingen und Pfarrer Kneipp erwähnen seine heilkräftige Wirkung zur Hebung der Stimmung und bei Kopfschmerzen, als stoffwechselfördernd und als lindernd bei Blase-, Darm- und Gallenleiden. Ein Tee mit Gundelrebe soll zudem die Atemwege heilen. Früher tranken Bergleute, Büchsenmacher, wie auch die alten Maler, deren Farben damals noch bleihaltig waren, vorsorglich regelmäßig konzentrierten Gundermanntee, da sie wussten, dass er bleiausschwemmend wirkt – was tatsächlich nun wissenschaftlich belegt ist! Auch dem Bier gab früher die Gundelrebe seine Würze.
Mit „Guck-durch-den Zaun“ lassen sich schöne Kränze binden! Früher wurden sie dann, um den germanischen Donnergott „Thor“ friedlich zu stimmen, im Haus aufgehängt, um sich vor Blitz und Donner zu schützen.
Also freuen wir uns an dem Überbringer des Frühlings, der mit seinen wertvollen Inhaltsstoffen eine Bereicherung für Küche und Hausapotheke ist.
Schöne Stunden beim Wildkräuter-Sammeln wünscht Kräuterland-Alb e.V. – mit Gundermann im Korb!
Elke Wunsch (Autorin)
Kulinarische Kräuterideen
Wiesen-After-Eight
Die gewaschenen und gut abgetrockneten Blätter abzupfen, vorsichtig in geschmolzene Schokolade tauchen (oder diese mit einem Backpinsel auftragen) und auf einem mit Backpapier belegten Gitterrost fest werden lassen.
Johanniskraut

Die goldene Heilpflanze zur Sommersonnenwende
Wenn Wiesen und Wegränder im Frühsommer in leuchtendem Gelb erstrahlen, beginnt die Zeit des Johanniskrauts. Seit Jahrtausenden gilt es als eines der bedeutendsten Heilkräuter Europas und wird bis heute sowohl in der Volksheilkunde als auch in der modernen Pflanzenmedizin geschätzt.
Bereits die antiken Griechen nutzten Johanniskraut zur Wundheilung und kannten seine vielfältigen Eigenschaften. Von den neun in Deutschland vorkommenden Johanniskraut-Arten besitzt jedoch nur das Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum) eine besondere therapeutische Bedeutung.
Die Pflanze liebt sonnige Standorte auf kalkhaltigen Böden und wächst an Hängen, Mauern, Wegrändern und auf trockenen Wiesen. Bis zu einem Meter hoch kann sie werden und fällt durch ihre goldgelben Blüten auf, die zwischen Juni und September ganze Büschel bilden.
Wer die länglichen Blätter gegen das Licht hält, entdeckt unzählige kleine Punkte, die wie winzige Löcher wirken. Tatsächlich handelt es sich um Öl- und Harzdrüsen, die dem Tüpfel-Johanniskraut seinen Namen gegeben haben. Ein weiteres faszinierendes Merkmal zeigt sich beim Zerreiben der Blüten: Dabei tritt ein tiefroter Saft aus, der die Haut blauviolett färben kann.
Für die Verwendung als Heilpflanze können Blätter, Stängel und Blüten gesammelt werden. Die höchste Konzentration an wirksamen Inhaltsstoffen steckt jedoch in den Blüten. Als beste Sammelzeit gelten die Wochen zwischen Mitte Juni und Anfang September. Gesammelt wird idealerweise nach dem Trocknen des Taus an einem sonnigen Mittag.
Besonders eng ist das Johanniskraut mit der Sommersonnenwende verbunden. Heilkräuterkundige sind überzeugt, dass die Pflanze um den Johannistag am 24. Juni ihre größte Kraft entfaltet. Daher wird sie traditionell rund um dieses Datum geerntet – ein Brauch, der seit Jahrhunderten gepflegt wird und der Pflanze auch ihren Namen verliehen hat.
So verbindet das Johanniskraut auf einzigartige Weise Naturbeobachtung, alte Überlieferungen und modernes Heilwissen. Mit seinen leuchtenden Blüten ist es nicht nur eine Zierde der Sommerlandschaft, sondern auch ein faszinierendes Beispiel für die Heilkraft heimischer Wildpflanzen.
Rose Weber, Bichishausen-Steighöfe
Rezept für ein Johanniskraut-Öl
- 125 g frische Blüten, im Mörser zerstoßen
- 500 ml Olivenöl
Die Blüten mit dem Olivenöl vermischen und in eine Weißglasflasche füllen.
Anleitung
- Sechs Wochen lang gut verschlossen auf der Fensterbank stehen lassen und täglich schütteln.
- Sobald das Öl eine leuchtend rote Farbe angenommen hat, das Gemisch durch ein Leintuch absieben.
- Den Satz sorgfältig auspressen und das Öl anschließend in kleine dunkle Fläschchen abfüllen.
Tipp
Das Öl ist vielseitig einsetzbar, zum Beispiel zur äußerlichen Anwendung bei gereizter Haut oder Muskelverspannungen sowie als Massageöl. Die getrockneten Blüten können außerdem als Tee genossen werden.