Kräuterinfo

 

Der Verein Kräuterland Alb e.V. setzt sich für den Erhalt und die Wertschätzung der einzigartigen Natur- und Kulturlandschaft der Schwäbischen Alb ein. Dazu gehört auch das Wissen über heimische Wildkräuter, ihre Verwendung in der Küche sowie ihre traditionelle Bedeutung als Heilpflanzen.

Hinweis:
In unserer Kräuterinfo stellen Mitglieder des Vereins regelmäßig ausgewählte Kräuter vor. Erfahren Sie Wissenswertes über ihre Geschichte, Inhaltsstoffe, Heilwirkungen und kulinarischen Einsatzmöglichkeiten. Die Sammlung wird laufend erweitert und lädt dazu ein, die Kräuterschätze der Schwäbischen Alb neu zu entdecken.

Die Kräuterbeiträge sind sorgfältig erarbeitet worden. Dennoch erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Weder die Autoren noch der Verein können eine Haftung übernehmen. Möchten Sie die Kräuter zu Heilzwecken verwenden, sprechen Sie dies mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin ab.

Verwenden Sie nur Pflanzen, die Sie eindeutig erkennen. Sammeln Sie nicht an Straßen und nur an Plätzen, von denen Sie wissen, dass sie unbelastet sind.

 

Übersicht

Salbei

Ein Überlebenskünstler mit Aroma.

Kümmel

Das aromatische Gewürz- und Heilkraut.

Dost

Die besondere Pflanze mit vielen Namen.

Löwenzahn

Gelbe Kraft aus dem Asphaltriss.

Gundermann

Der „Guck-durch-den-Zaun“.

Johanniskraut

Die goldene Heilpflanze.


Salbei

Echter Salbei mit violettblauen Blüten

Echter Salbei – ein Überlebenskünstler mit Aroma

Wenn andere Pflanzen schlappmachen, läuft der Salbei zur Hochform auf.

Nach dieser ernüchternden Gartenbau-Saison, in der vor den Auswirkungen des Klimawandels eigentlich niemand mehr die Augen verschließen kann, stand der robuste Lippenblütler während eines Feldrundgangs als eine der wenigen Pflanzen noch durchaus kräftig auf unserem Acker. Ein guter Grund, den vielseitigen Lippenblütler genauer unter die Lupe zu nehmen.

Mediterraner Gast mit Bienenbonus

Ursprünglich stammt der Echte Salbei (Salvia officinalis) aus dem Mittelmeerraum, wo er sonnige, trockene Kalkhänge besiedelt. Vermutlich brachten ihn bereits die Römer nach Mitteleuropa. Kaiser Karl der Große empfahl seinen Anbau um 812 in der berühmten Landgüterverordnung.

Salbei liebt Sonne, durchlässige, kalkhaltige Böden und kommt mit Trockenheit gut zurecht. Damit passt er bestens auf die Schwäbische Alb. Seine violettblauen Blüten sind zudem ein Festmahl für Wild- und Honigbienen. Rund 30 Wildbienenarten nutzen das Nektarangebot, darunter auch spezialisierte Arten.

Wer heimischen Insekten besonders viel Gutes tun möchte, kann alternativ auf heimische Verwandte wie Wiesensalbei (Salvia pratensis) setzen. Auch Dost und Breitblättriger Thymian sind wertvolle Nektarspender.

Ein Kraut mit Geschichte

Der Name Salbei kommt vom lateinischen salvus – gesund oder heil. Schon in der Antike galt die Pflanze als geschätztes Heilmittel. Auch Hildegard von Bingen und Paracelsus widmeten ihr besondere Aufmerksamkeit. Bis heute ist Salbei vor allem als Hausmittel bei Halsbeschwerden bekannt: Salbeitee oder Gurgellösungen werden traditionell bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum eingesetzt.

Seine ätherischen Öle verleihen den Blättern nicht nur den unverwechselbaren Duft, sondern auch ihre charakteristischen Eigenschaften. Allerdings gilt: Salbei ist intensiv und sollte nicht über längere Zeit oder in großen Mengen angewendet werden. Besonders konzentriertes Salbeiöl kann aufgrund seines Thujongehalts gesundheitsschädlich sein. In der Schwangerschaft sollte auf medizinische Anwendungen verzichtet werden.

Vom Beet auf den Teller

Auch im Garten ist Salbei unkompliziert. Der bis zu 80 Zentimeter hohe Halbstrauch liebt sonnige, trockene Plätze und passt hervorragend in mediterrane Beete mit Thymian, Lavendel und Bohnenkraut. Ein Rückschnitt im Frühjahr und nach der Blüte hält ihn kompakt und buschig. In rauen Lagen freut er sich über etwas Winterschutz.

Neben dem klassischen silbergrauen Blattkleid gibt es zahlreiche Ziersorten mit grünen, gelb panaschierten oder purpurfarbenen Blättern. Auch bei den Blüten reicht die Palette weit über das typische Violettblau hinaus. Besonders spektakulär ist der Ziersalbei ‘Amistad’: Seine nachtvioletten Blüten leuchten bis zum ersten Frost – auf der Schwäbischen Alb allerdings nur mit entsprechendem Winterschutz.

In der Küche zeigt sich der Echte Salbei ebenfalls von seiner besten Seite. Ob als Salbeibutter zur Pasta, im italienischen Klassiker Saltimbocca oder knusprig ausgebacken im Teig: Das würzige Kraut bringt mediterranes Flair auf den Teller. Auch zu Gemüse, Suppen und Soßen passt es hervorragend.

Dabei gilt die wichtigste Salbei-Regel: Weniger ist mehr! Sein kräftiges, leicht bitteres Aroma braucht keine großen Mengen. Frische Blätter lassen sich außerdem gut trocknen oder einfrieren.

Der Echte Salbei ist eben ein echtes Multitalent: robust im Beet, beliebt bei Bienen, geschätzt in der Hausapotheke und unverzichtbar in der mediterranen Küche. Ein Kraut, das selbst in einem schwierigen Gartenjahr eine gute Figur macht.

Ilona Guschke, Blumenfarm Fuchs&Hase

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Kümmel

Kümmel auf der Schwäbischen Alb

Mehr als nur ein Gewürz im Sauerkraut

Er wird geliebt oder verschmäht, ist uralt und steckt voller Tradition: Kümmel gehört zu den ältesten Gewürzpflanzen der Welt. Doch hinter den kleinen sichelförmigen Früchten steckt weit mehr als ein kräftiges Aroma.

Wer Kümmel hört, denkt wahrscheinlich zuerst an Sauerkraut, Brot oder einen kräftigen Kümmelschnaps. Dabei begleitet Carum carvi den Menschen bereits seit Jahrtausenden. Archäologische Funde belegen seine Verwendung vor rund 5.000 Jahren. Auch Römer und Ägypter kannten und schätzten die Pflanze als Gewürz und traditionelles Heilmittel.

Zwei Jahre bis zur ersten Ernte

Kümmel gehört zu den Doldenblütlern und ist eine zweijährige Pflanze. Im ersten Jahr entwickelt er eine bodennahe Rosette aus fein gefiederten, hellgrünen Blättern, die an Möhrengrün erinnern. Unter der Erde bildet sich eine kräftige Pfahlwurzel. Erst nach dem Winter geht es richtig los: Im zweiten Jahr wächst der Blütenstängel bis zu 70 Zentimeter in die Höhe. Von Mai bis Juni erscheinen die zarten weißen bis rosa Blütendolden.

Bis Ende Juli reifen daraus die charakteristischen braunen, sichelförmigen Früchte. Sie werden häufig als „Kümmelsamen“ bezeichnet, botanisch handelt es sich jedoch um Spaltfrüchte.

Kümmel wächst heute wild nur noch vereinzelt an Wegrändern und auf Wiesen. Im eigenen Garten lässt er sich jedoch problemlos anbauen – vorausgesetzt, man bringt etwas Geduld mit. Im Frühjahr an einen sonnigen Platz gesät, kann die erste Ernte erst im zweiten Jahr erfolgen.

Vom Feld auf den Teller

Auch landwirtschaftlich wird Kümmel angebaut. Häufig dient er als Untersaat in Sommergerste. Nach der Getreideernte bleibt der Kümmel auf dem Feld und überwintert. Ende Juli oder Anfang August sind die Früchte reif und werden mit dem Mähdrescher geerntet.

Ein besonderes Schauspiel begleitet dabei so manche Kümmelernte: Wenn der Mähdrescher durch den Bestand fährt, werden zahlreiche Insekten aufgeschreckt – und locken damit viele Milane über das Feld.

Nach dem Dreschen wird der Kümmel zunächst gereinigt und anschließend auf etwa 10 bis 12 Prozent Restfeuchte getrocknet. Erst dann wird geprüft, ob er als Lebensmittel geeignet ist, frei von unerwünschten Rückständen und Krankheiten ist und welchen Gehalt an ätherischen Ölen er besitzt. Bei guten Beständen kann sogar im Folgejahr noch einmal geerntet werden. Danach sollte allerdings eine Anbaupause von rund sieben Jahren eingehalten werden.

Vorsicht beim Sammeln

Wer wilden Kümmel sammeln möchte, sollte genau hinschauen. Wie viele Doldenblütler kann er leicht mit anderen Pflanzen verwechselt werden – darunter auch mit dem giftigen Gefleckten Schierling. Nur eindeutig bestimmte Pflanzen gehören in Küche oder Kräuterkorb.

Kümmel, Kreuzkümmel und Schwarzkümmel

Auch wenn die Namen ähnlich klingen: Kümmel, Kreuzkümmel und Schwarzkümmel sind drei ganz unterschiedliche Pflanzen. Kreuzkümmel, auch Cumin genannt, stammt vor allem aus wärmeren Regionen wie Indien, Sri Lanka und Indonesien. Sein Geschmack ist intensiver und deutlich schärfer. Schwarzkümmel wiederum gehört nicht einmal zu den Doldenblütlern, sondern zur Familie der Hahnenfußgewächse.

Ein Gewürz mit Tradition

Beim Kümmel scheiden sich die Geister. Sein unverwechselbares Aroma wird entweder innig geliebt oder konsequent abgelehnt. Wer ihn mag, findet zahlreiche Einsatzmöglichkeiten: Er verfeinert Kraut und Kohl, passt zu Kartoffeln, Eintöpfen und Gulasch und gibt Brot und Gebäck eine besondere Note.

Traditionell wird Kümmel außerdem als Hausmittel geschätzt. Als Tee oder Kümmelschnaps wird er seit Jahrhunderten bei Völlegefühl und Blähungen eingesetzt. Auch in Kombination mit Anis und Fenchel findet er Verwendung.

Klein, unscheinbar und aromatisch – Kümmel ist eben weit mehr als das Gewürz, das im Sauerkraut landet. Seine Geschichte reicht Jahrtausende zurück und seine Verwendung verbindet Garten, Landwirtschaft, Küche und traditionelle Kräuterkunde.

Heidi Holder, Böhringen

Kümmel für Küche und Kräuterküche

Kümmeltee – wohltuend und aromatisch

Ein Kümmeltee ist schnell zubereitet und gehört zu den klassischen Anwendungen der aromatischen Früchte. Dafür ½ bis 1 Teelöffel Kümmelfrüchte leicht zerdrücken, damit sich die ätherischen Öle besser lösen können. Mit etwa ¼ Liter kochendem Wasser übergießen und zugedeckt 10 bis 15 Minuten ziehen lassen. Anschließend abseihen und am besten warm trinken.

Traditionell wird Kümmeltee ein- bis dreimal täglich getrunken. Für kleine Kinder kann eine kleine Menge des fertigen Tees – etwa ein Teelöffel – der Fläschchennahrung beigefügt werden.

Kümmelkartoffeln – einfach, würzig und knusprig

Manchmal braucht es nicht mehr als gute Kartoffeln, etwas Butter, Salz und Kümmel. Besonders aromatisch wird das einfache Gericht, wenn die Kartoffeln mit Schale gebacken werden.

Dafür Bio-Kartoffeln gründlich waschen und abbürsten. Anschließend jede Kartoffel oben kreuzweise einschneiden und in eine gefettete, feuerfeste Form setzen. Mit zerlassener Butter bestreichen und großzügig mit Salz und Kümmel bestreuen.

Im vorgeheizten Backofen bei 200 °C etwa 50 Minuten backen, bis die Kartoffeln weich sind und die Oberfläche schön knusprig geworden ist.

Ein unkompliziertes Gericht, bei dem der Kümmel einmal ganz ohne Sauerkraut zeigen darf, was in ihm steckt.

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Dost (Origanum vulgare)

Dost auf der Schwäbischen Alb

Diese besondere Pflanze hat viele Namen: Wilder Majoran, Oregano, Badkraut, Staudenmajoran und Wohlgemut. „Oregano“ ist griechisch und bedeutet Schmuck der Berge.

Man findet den Dost, eine hübsche, etwa 60 cm hohe Pflanze mit kräftigen rosa, manchmal auch weißen Blütendolden, an sonnigen warmen Standorten.

Es ist ein ausdauerndes Kraut mit aufrechtem Stängel, der gegenständig mit feinen, eiförmigen Blättern bewachsen ist. Der Stängel verästelt sich im oberen Abschnitt und jeder Zweig schließt mit einer fächerartigen Rispe rosa, manchmal auch weißer Blüten ab.

Er blüht von Juli bis September und wird zu Beginn der Blüte in den Mittagstunden geerntet, und zwar das ganze Kraut. Das Material wird in dünnen Schichten im Schatten oder in Büscheln hängend an gut durchlüfteten Stellen getrocknet. Das Trockengut duftet aromatisch und schmeckt etwas bitter. In verschlossenen Behältern trocken lagern.

Seine Inhaltsstoffe sind: 4 % ätherische Öle, unter anderem Thymol, Flavonoide, Gerbstoffe, Rosmarinsäure, Triterpene und mineralische Spurenelemente.

Dost weist einen sehr hohen ORAC-Wert auf. Das bedeutet die Fähigkeit, freie Radikale abzufangen und damit oxidativem Stress zu begegnen. Er ist daher eine das Immunsystem stärkende Wildpflanze, die man häufiger verwenden sollte.

Diese Inhaltsstoffe bewirken, dass mit Dost gewürzte Speisen besser verdaulich sind. Dost ist ein ausgezeichnetes Gewürz zur Zubereitung von Hackfleisch und Wild. Auch sehr gut für Pizza und Pasta und zu Gemüse, zum Beispiel Kohlrabi, Blumenkohl und Tomaten, Zucchini, Auberginen.

In der medizinischen Anwendung wirkt er vor allem krampflösend, schleimlösend und magenstärkend. Er hat bei Husten, als Tee eingenommen, eine beruhigende Wirkung. Auch bei Magen- und Darmstörungen, krampfartigen Leibschmerzen und Appetitmangel kann es helfen, mehrmals am Tag eine Tasse Tee zu trinken. (1 TL Droge mit 150 ml kochendem Wasser übergießen und 10–15 Min. zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen).

Bei Erschöpfung kann Dost-Tee hilfreich sein. Auch für ein entspannendes Bad ist Dost gut geeignet. 2 Bund frisches Kraut mit 5 l Wasser übergießen, zum Sieden erhitzen und etwa 15 Min. zugedeckt ziehen lassen. Danach abseihen und den Extrakt ins Badewasser geben. Badetemperatur 35–38 Grad Celsius, Badedauer ca. 15 Min. Nach dem Bad ruhen.

Dost ist nicht nur für den Menschen gut, er ist auch bei Bienen, Insekten und Schmetterlingen sehr beliebt. Ebenso ist er eine Raupenfutterpflanze.

Dost lässt sich sehr gut im Garten und sogar in Töpfen kultivieren.

Dost ist Sommer pur!

Marianne Herter

Dost-Pesto

Zutaten

  • 100 ml Olivenöl
  • ½ TL Salz
  • 50 g Sonnenblumenkerne, fein gemahlen
  • 2 Knoblauchzehen
  • 20 g Dostblüten und -blätter, gehackt
  • 50 g geriebener Parmesan oder Bergkäse

Zubereitung

Olivenöl und Salz in einen hohen Rührbecher geben. Die fein gemahlenen Sonnenblumenkerne hinzufügen und die Knoblauchzehen dazupressen.

Die gehackten Dostblüten und -blätter sowie den geriebenen Parmesan oder Bergkäse dazugeben. Alles pürieren und abschmecken.

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Löwenzahn

Löwenzahn auf der Schwäbischen Alb

Gelbe Kraft aus dem Asphaltriss – der Löwenzahn als Heilkraut

Wer kennt ihn nicht? Den Löwenzahn, der sich mit unbeirrbarer Kraft durch kleinste Ritzen im Asphalt bohrt. Was viele als „Unkraut“ abtun, ist für den Verein „Kräuterland Schwäbische Alb“ ein pharmazeutischer Schatz. Die Reise dieser Heilpflanze beginnt jedoch weit vor unserer Zeit.

Schon im 11. Jahrhundert erkannten arabische Ärzte wie Avicenna die heilende Wirkung bei Leberleiden. Hildegard von Bingen im 12. Jahrhundert sah in der Pflanze ein wichtiges Mittel zur Reinigung des Körpers. Sie empfahl Löwenzahn zur „Säuberung des Magens“.

Für Paracelsus war die Signaturenlehre entscheidend: Die leuchtend gelbe Blüte deutete für ihn auf die Behandlung von Galle und Leber hin. Er sah aber auch in der unbändigen Kraft und Wehrhaftigkeit der Pflanze ein Spiegelbild für die Abwehrkräfte des Menschen. Paracelsus erkannte ebenso die harntreibende Wirkung und nutzte sie zur Entwässerung bei Ödemen.

In der modernen pharmazeutischen Biologie schätzen wir den Löwenzahn als „Amara-Tonikum“. Verwendet wird die Wurzel mit dem Kraut. Die Bitterstoffe der Pflanze (Sesquiterpenlactone) binden an spezifischen Rezeptoren auf Zunge und im Magen. Dies triggert die Ausschüttung von Gastrin und Cholecystokinin. Die Folge ist eine allgemeine Verbesserung der Verdauungsvorgänge, insbesondere aber auch der gesamten Fettverdauung durch einen gesteigerten Gallenfluss. Inulin, das besonders in der Wurzel vorhanden ist, dient zusätzlich als Präbiotikum für eine gesunde Darmflora. Interessant ist, dass die Wasser ausschwemmende Wirkung durch einen hohen Gehalt an Kalium entsteht und begleitet wird. Ist also eine streng kaliumarme Ernährung verordnet, sollte auf Löwenzahn verzichtet werden. Ebenso bei bekannten Allergien gegen Korbblütler und Verschluss der Gallenwege ist Vorsicht geboten.

Der Löwenzahn auf unserer Alb ist nicht nur ein lebendiges Fossil der Heilkunst, das aus dem Boden bricht. Man braucht sich nur zu Bücken und bekommt mit den jungen Blättern ein gesundes, regionales Superfood für Salate und leckeres Pesto.

Hans-Peter Eppler

Löwenzahnpesto mit Walnüssen

Zutaten für 4 Portionen

  • 100 g Walnusskerne
  • 1 Bund Löwenzahnblätter (jung, frisch gepflückt)
  • 3 Stk Knoblauchzehen
  • 1 Prise Salz
  • 1 Spritzer Zitronensaft
  • 1 Prise Chiliflocken
  • 160 ml Olivenöl (oder Sonnenblumenöl)
  • 2 EL Pinien-oder Sonnenblumenkerne
  • 25 g Parmesan gerieben

Zubereitung

  1. Walnusskerne zusammen mit den Pinien- oder Sonnenblumenkernen in einer Pfanne langsam ohne Fett anrösten.
  2. Fein hacken (am besten im Mixer)
  3. Die Knoblauchzehen hacken.
  4. In Streifen geschnittene Löwenzahnblätter zusammen mit den Nüssen und Kernen, dem Öl, dem Knoblauch, Salz und dem geriebenen Parmesan in einen Mixer geben und fein pürieren. Zitronensaft und Chiliflocken dazugeben.
  5. In ein Glas füllen, mit einer Schicht Öl abdecken. Verschlossen im Kühlschrank lagern.

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Gundermann

Gundermann mit violetten Blüten auf der Schwäbischen Alb

„Guck-durch-den-Zaun“ – der Gundermann

„Der April macht, was er will!“ Zu diesem Sprichwort passt unsere für April ausgewählte Wildkräuterpflanze prima.

Wegen ihrem enormen Wachstumsdrang wird sie auch gerne „Guck´- durch – den – Zaun“ genannt.

Und wirklich, der Gundermann ( Glechoma hederacea ), auch die Gundelrebe genannt, kennt kein Aufhalten! Mit oberirdisch kriechenden Ausläufern, die bis zu 1m lang sein können, vermehrt er sich flächig auf der Wiese oder rankt an Mauern u.ä. in die Höhe. Seine unterirdisch aktiven Ausläufer lassen ihn große Flächen besiedeln.

Wer sich jetzt im Frühling wieder auf´s Entdecken und Sammeln frühblühender Kräuter freut, der kann in Wald und Wiese, an Bachläufen oder um Haus und Hof auf die immergrüne, mehrjährige und essbare Wildpflanze stoßen.

Zu erkennen ist sie an den rundlich herzförmigen und am Rand wellenförmig eingekerbten Blättern. Sie sind von starken Blattadern durchzogen und die Bereiche zwischen den Adern sind auffällig in die Höhe gewölbt. Wenn die Gundelrebe an einem sonnigen Platz wächst, speichert sie besonders viel ätherische Öle, die dann beim Zerreiben der Blätter kräftig aromatisch und etwas nach Minze riechen – perfekt, um Speisen aufzupeppen.

Schon kleine Mengen genügen von diesem Lippenblütler, bei dem wir Kraut und Blüte verwenden können. Die hell-violetten Blüten schmecken zart süßlich und sind eine hübsche Dekoration auf Salaten oder Aufstrichen. Bei „Süß“ denkt die Gundelrebe aber gewiss nicht an uns, sondern an ihre Fortpflanzung. Raffiniert weit hinten in der Blütenkelchröhre lagert sie den Nektar und lockt mit ihren auffällig dunkel-violett leuchtenden Tupfern auf der Blüte – Saftmale genannt – ihre Besucher. Schmetterlinge, Schwebfliegen, Hummeln und Bienen streifen, bis sie endlich zum Nektar gelangen, Pollen ab, mit dem sie dann die nächste Blüte unmerklich bestäuben. Clevere Hummeln und Bienen suchen den direkten Weg: sie beißen seitlich ein Loch in die Kelchröhre und stibitzen Nektar, ohne die Blüte zu bestäuben.

Uns kann es freuen, dass die Gundelrebe so kräftig vor sich hin blüht und wächst, denn sie wurde schon früher von den Menschen geschätzt als „Grüne Kraft“ in Speisen. Sie bereichert im Frühling die “Neun-Kräuter-Suppe“ die traditionell am Gründonnerstag serviert wird – Lust, sie auszuprobieren?!! Diese Suppe kann man das ganze Frühjahr über genießen, denn etwas später stehen dann andere Kräuter zur Auswahl. Auch lecker schmecken junge Blättchen auf Butterbrot, in Quark, zu Salaten oder in Dressings. Eine sommerliche Erfrischung bereitet eine Gundermann-Limonade auf Apfelsaftbasis. Für Schleckermäuler gibt es selbstgemachtes „Wiesen-After-Eight“ (siehe Kasten).

Die Gundelrebe ist reich an Vitalstoffen. Sie unterstützt uns u.a. mit Vitamin C, mit Bitter- und Gerbstoffen, Mineralien (besonders viel Kalium) und ihren ätherischen Ölen.

Eine herausragende Eigenschaft als Heilpflanze ist ihre antibiotische Wirkung, die bereits im Namen steckt, denn auf althochdeutsch bedeutet „Gund“ Eiter und der Gundermann soll besonders bei Eiterzähnen, Zahnfisteln, Furunkeln und Abszessen eiterausleitend helfen.

Auch Hildegard von Bingen und Pfarrer Kneipp erwähnen seine heilkräftige Wirkung zur Hebung der Stimmung und bei Kopfschmerzen, als stoffwechselfördernd und als lindernd bei Blase-, Darm- und Gallenleiden. Ein Tee mit Gundelrebe soll zudem die Atemwege heilen. Früher tranken Bergleute, Büchsenmacher, wie auch die alten Maler, deren Farben damals noch bleihaltig waren, vorsorglich regelmäßig konzentrierten Gundermanntee, da sie wussten, dass er bleiausschwemmend wirkt – was tatsächlich nun wissenschaftlich belegt ist! Auch dem Bier gab früher die Gundelrebe seine Würze.

Mit „Guck-durch-den Zaun“ lassen sich schöne Kränze binden! Früher wurden sie dann, um den germanischen Donnergott „Thor“ friedlich zu stimmen, im Haus aufgehängt, um sich vor Blitz und Donner zu schützen.

Also freuen wir uns an dem Überbringer des Frühlings, der mit seinen wertvollen Inhaltsstoffen eine Bereicherung für Küche und Hausapotheke ist.

Schöne Stunden beim Wildkräuter-Sammeln wünscht Kräuterland-Alb e.V. – mit Gundermann im Korb!

Elke Wunsch

Kulinarische Kräuterideen

Wiesen-After-Eight

Die gewaschenen und gut abgetrockneten Blätter abzupfen, vorsichtig in geschmolzene Schokolade tauchen (oder diese mit einem Backpinsel auftragen) und auf einem mit Backpapier belegten Gitterrost fest werden lassen.

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Johanniskraut

Johanniskraut mit leuchtend gelben Blüten auf der Schwäbischen Alb

Die goldene Heilpflanze zur Sommersonnenwende

Wenn Wiesen und Wegränder im Frühsommer in leuchtendem Gelb erstrahlen, beginnt die Zeit des Johanniskrauts. Seit Jahrtausenden gilt es als eines der bedeutendsten Heilkräuter Europas und wird bis heute sowohl in der Volksheilkunde als auch in der modernen Pflanzenmedizin geschätzt.

Bereits die antiken Griechen nutzten Johanniskraut zur Wundheilung und kannten seine vielfältigen Eigenschaften. Von den neun in Deutschland vorkommenden Johanniskraut-Arten besitzt jedoch nur das Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum) eine besondere therapeutische Bedeutung.

Die Pflanze liebt sonnige Standorte auf kalkhaltigen Böden und wächst an Hängen, Mauern, Wegrändern und auf trockenen Wiesen. Bis zu einem Meter hoch kann sie werden und fällt durch ihre goldgelben Blüten auf, die zwischen Juni und September ganze Büschel bilden.

Wer die länglichen Blätter gegen das Licht hält, entdeckt unzählige kleine Punkte, die wie winzige Löcher wirken. Tatsächlich handelt es sich um Öl- und Harzdrüsen, die dem Tüpfel-Johanniskraut seinen Namen gegeben haben. Ein weiteres faszinierendes Merkmal zeigt sich beim Zerreiben der Blüten: Dabei tritt ein tiefroter Saft aus, der die Haut blauviolett färben kann.

Für die Verwendung als Heilpflanze können Blätter, Stängel und Blüten gesammelt werden. Die höchste Konzentration an wirksamen Inhaltsstoffen steckt jedoch in den Blüten. Als beste Sammelzeit gelten die Wochen zwischen Mitte Juni und Anfang September. Gesammelt wird idealerweise nach dem Trocknen des Taus an einem sonnigen Mittag.

Besonders eng ist das Johanniskraut mit der Sommersonnenwende verbunden. Heilkräuterkundige sind überzeugt, dass die Pflanze um den Johannistag am 24. Juni ihre größte Kraft entfaltet. Daher wird sie traditionell rund um dieses Datum geerntet – ein Brauch, der seit Jahrhunderten gepflegt wird und der Pflanze auch ihren Namen verliehen hat.

So verbindet das Johanniskraut auf einzigartige Weise Naturbeobachtung, alte Überlieferungen und modernes Heilwissen. Mit seinen leuchtenden Blüten ist es nicht nur eine Zierde der Sommerlandschaft, sondern auch ein faszinierendes Beispiel für die Heilkraft heimischer Wildpflanzen.

Rose Weber, Bichishausen-Steighöfe

Rezept für ein Johanniskraut-Öl

  • 125 g frische Blüten, im Mörser zerstoßen
  • 500 ml Olivenöl

Die Blüten mit dem Olivenöl vermischen und in eine Weißglasflasche füllen.

Anleitung

  • Sechs Wochen lang gut verschlossen auf der Fensterbank stehen lassen und täglich schütteln.
  • Sobald das Öl eine leuchtend rote Farbe angenommen hat, das Gemisch durch ein Leintuch absieben.
  • Den Satz sorgfältig auspressen und das Öl anschließend in kleine dunkle Fläschchen abfüllen.

Tipp

Das Öl ist vielseitig einsetzbar, zum Beispiel zur äußerlichen Anwendung bei gereizter Haut oder Muskelverspannungen sowie als Massageöl. Die getrockneten Blüten können außerdem als Tee genossen werden.

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